Angst vor Fehlern? Schwerer Fehler!
Karin Kreutzer
Angst vor Fehlern? Schwerer Fehler!
Das Buch für Erfolgs-mutige Frauen und solche, die es werden wollen.
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Leseprobe
Erfolg ist geil. Aber was ist Erfolg? Und gibt es Erfolg ohne Fehler? Ist eine fehlerlose Frau eine glückliche und erfolgreiche Frau? Was braucht frau, um erfolgreich zu sein? Und um sich auch erfolgreich zu fühlen?
Jedenfalls out sind: Oberlehrer- und Guru-Weisheiten! Und auch die "Das-macht-man nicht"- Sätze hat frau satt!
In sind: Eigene Erlebnisse, eigene Erfahrungen, echte Emotionen. Das sind die Dinge, die uns Frauen von heute weiterbringen und erfolgreich machen. Denn: Bunte Originale haben Spaß am Leben.
Perfekte Kopie haben nur brav zu funktionieren im Leben! Deshalb bestärkt "Angst vor Fehlern? Schwerer Fehler!" den Mut zu Gefühlen, zum Ausprobieren und zum Verändern! Gibt Denkanstösse für das eigene Erfolgs-Drehbuch. Und spricht direkt und offen auch Tabus an.
Im Buchhandel erhältlich oder online-Bestellung: www.leykamverlag.at
Format 21 x 14,8 cm, 160 Seiten, Hardcover
€ 17,90, sFr 27,75
ISBN 3-7011-7476-8
Ich möchte so gerne perfekt sein
"Warum kann ich nichts wirklich perfekt? Warum bin ich so un-perfekt. Ich streng mich doch wirklich an, aber manchmal glaube ich fast, je mehr ich mich anstrenge desto un-perfekter werde ich", jammere ich Moni die Ohren voll während wir in kuschelige Bademäntel gehüllt, auf weichen Ruheliegen in der herrlich ruhigen, in warmen gelb beleuchteten Hoteltherme liegen. "Bitte warum willst du perfekt sein?" schaut Moni überrascht von ihrem Buch auf. "Na, so halt, weil ich dann so gut wäre wie die anderen auch oder eben sogar noch besser", antworte ich trotzig, ob ihrer Stimme, die mir Unverständnis signalisiert.
"Wie welche anderen?", hackt Moni nach. "Na, eben alle - zum Beispiel so gut und erfolgreich wie die blonde Wirtschaftsprüferin, von der ich dir erzählt habe oder die neue Flamme von Max, dann würde ich auch so leicht Männer um den Finger wickeln." "Und die beiden sind deiner Meinung nach perfekt", kontert Moni jetzt sichtlich belustigt. "Nein, sind sie nicht, aber wenn ich perfekt wäre, wäre ich eben besser als sie", drück ich weinerlich aus meinen Stimmbändern raus.
Deshalb beendet Moni vermutlich auch ihre Fragerei. Dafür erzählt sie mir, dass die Perser in ihre Teppiche angeblich kleine Fehler einweben. Die Teppiche würden dadurch fürs menschliche Auge angenehmer. "Die Menschen haben Perfektion nämlich gar nicht gern, die ist ihnen unangenehm."
"Ich bin aber kein Teppich", schnaufe ich. "Aber perfekte Menschen wären auch nicht auszuhalten, wenn es sie gäbe. Zum Glück gibt's aber eh niemanden der perfekt ist", bleibt Moni gelassen "Oder kennst du jemanden?"
Ich schlage also gedanklich mein Adressbuch auf und blättere durch. Gar nicht so leicht "Perfektus" zu finden. Es gibt scheinbar wirklich nicht viele perfekte Menschen. Entweder sie sind zuwenig erfolgreich oder menschlich daneben, um als perfekt in meinem Scanning durchzugehen. Und natürlich muss ein perfekter Mensch auch äußerlich perfekt sein. Der Stellvertreter meines Chefs ist ziemlich perfekt, bleibe ich bei "H" wie Hermann Hofer stehen. Er ist 39 und - obwohl er schon ziemlich grauhaarig ist - sehr gutaussehend. So ein bisschen ein Georg Clooney-Typ. Hermann ist top ausgebildet, hat in Amerika und Italien studiert, hat ertragreiche Groß-Kunden, ist angesehen in der Branche, akquiriert wie ein Kaiser, verdient unbeschreiblich gut und investiert sein Honorar sichtlich auch sehr gewinnbringend. Er zählt zu den wenigen Menschen, die trotz der fallenden Kurse die Aktienseite im Internet mit einem zufriedenen Nicken und zusagendem Brummen kommentieren. Trotz Beruf und Familie findet er Zeit zum Segeln und zum Schlagzeugspielen in einer kleinen Band. Er ist zwar einmal geschieden, in zweiter Ehe aber mit einer überaus hübschen Frau verheiratet. Mit ihr hat er zwei wohlerzogene kleine Söhne. Hermann Hofer ist menschlich integer und sein Lachen ist herrlich mitreissend. Eindeutig: Er ist perfekt. Allerdings ein Manko fällt mir gerade doch ein. Er kann nicht gut rechtschreiben. Und das Süße daran ist, dass er sich dafür geniert. Bei einem Workshop unserer Firma hat er mal ans Flipchart als Schriftführer müssen. Da hat er sich ganz seltsam davor drücken wollen. Hat mich damals erstaunt, dass ein sonst so sendungsbewusster Mensch nicht gleich die Gelegenheit nützt, um auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen. Auch hat mich damals erstaunt, dass er total rot geworden ist, als ihn ein Kollege darauf hingewiesen hat, dass er zwei Wörter falsch geschrieben hat. Sonst ist er immer so souverän, aber da hat er plötzlich ganz verschreckt gewirkt. Er hat dann in kleiner Runde auch zugegeben, dass er nie ein Orthographie-Genie war, in der 7. Klasse sogar beinahe wegen schlechter Rechtschreibkenntnisse in Deutsch durchgerasselt wäre. Seit er berufstätig ist, geht kein Schriftstück ohne Rechtsschreibprüfung und Check durch seine Sekretärin raus.
"Schön, du lächelst ja endlich wieder einmal! Woran denkst du denn?", reißt Moni mich aus meinen Gedanken. "Ich dachte gerade an einen Kollegen, den ich dir eigentlich als perfekt präsentieren wollte, der aber doch einen Fehler hat: Er kann nicht gut rechtschreiben. Und ich hab mich erinnert, wie entzückend er ausgesehen hat, als das raus gekommen ist." "Und seit damals ist seine Karriere ruiniert, seine Familie kaputt und er wird von allen geschnitten?", fragt Moni mit spöttischem Unterton. Natürlich ist es nicht so. Er ist unangefochten ein toller Typ, anerkannt, beliebt und erfolgreich.
"Eben", grinst Moni mich an: "Man muss nicht perfekt sein. Sich optimal auf die jeweilige Lebenssituation einstellen zu können, reicht vollkommen aus!"







